Schematische-Darstellung-einer-digitalen-Plattform

Termine: Vorstellung des Kompendiums Industrie 4.0 (Updates)

Offene Veranstaltungen

Geschlossene Veranstaltungen

  • 07.07.2015 | Berlin: Think Tank Industrie 4.0 | Management-Circle
  • 08.09.2015 | Berlin: ConPolicy Think Tank Verbraucherpolitik
  • 01.10.2015 | Berlin: SPD-Wirtschaftsforum
  • 16.10.2015 | Berlin: FDP-Bundesfachausschuss Medien, Internet und digitale Agenda
  • 03.11.2015 | Berlin: BITKOM Roundtable Platform Economy
  • 03.11.2015 | Berlin:  Atlantikbrücke Steering Committee AG Digitalisierung
  • 06.11.2015 | Brüssel: European Commission | Joint Research Center
  • 07.12.2015 | Berlin: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
  • 18.02. 2016 | Berlin: Fachgespräch der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • 26.04.2016 | Berlin: DIHK-Konferenz Digitale Zukunft@Mittelstand
  • 01.07.2016 | Berlin: OSE Summer Talk
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Literatursicht Plattformmärkte – Folge 3 (Juni 2015)

Politik

  • Die Monopolkommission hat am 1. Juni den lange erwarteten Bericht zur Internet-Wirtschaft vorgelegt („Wettbewerbspolitik: Herausforderung digitale Märkte“). Das Gutachten widmet sich ausführlich der Bedeutung mehrseitiger Plattform-Märkte.

Industriesektoren

  • Maschinenbau: Johannes Diemer und Ansgar Baums (beide HP) haben einen Artikel zum Thema Plattformisierung im Maschinenbau veröffentlicht: Mehr Plattform-Ökonomie in der Industrie verankern
  • Automobil: Unter den schönen Titel „Why Today’s Automobile Industrie Looks a Lot Like IBM in 1985“ analysiert Tien Tzuo im TechCrunch-Blog Innovation im Automobilsektor. Zitat:
    Without control over the platform, PC hardware is nothing more than a commodity, with negligible margins, intense competition and an inability to control one’s destiny.
  • Banken: DB Research hat einen interessanten Artikel „Traditional Banks as Digital Ecosystems“ zur Plattformisierung des Bankensektors veröffentlicht. Zitat:
    „Established financial institutions are transforming themselves into a digital platform-based banking ecosystem. This puts them in a position to operate with greater potency against competitors in order to stand up to the new market players from the technology-driven, non-bank sector with their own strategies. The outcome is a digital, convenient and secure financial platform for the customer with personalised services, also from third-party providers.“

Theorie

  • Geoffrey Parker (Tulane U) und Marshall van Alstyne (MIT) haben bereits 2014 einen lesenswerten Artikel zum Thema „Platform Strategy“ veröffentlicht. Enthalten ist ein guter Überblick zum Forschungsstand.

Polemik

  • Evgeny Morozov hat im FAZ Feuilleton (Heimat der Digitalphobie) einen Artikel unter dem Titel „Digitale Plattformen: Innovation siegt stets über Gerechtigkeit“ veröffentlicht. Der Artikel ist ein klassisches Beispiel für die Verkürzung der Debatte: Plattformen werden gleichgesetzt mit zentralisierten, geschlossenen Plattformen.

 

Autor_Baums

Ein Nullsummenspiel ohne Gewinner

Frage: Was hat Industrie 4.0 mit Fußball zu tun?

In der politischen Debatte zur digitalen Agenda sind Fußball-Metaphern gerade in Mode. Im Kontext von Industrie 4.0 wird gerne von der „verlorenen ersten Halbzeit“ gesprochen – heißt: Deutschland (oder Europa – je nach Kontext) habe die Digitalisierung vieler b2c-Märkte verschlafen. Schließlich seien die großen Internetkonzerne alle im Ausland (vor allem in den USA) beheimatet. Nun gelte es, die zweite Halbzeit – Industrie 4.0 – unbedingt zu gewinnen. Wer „verlorene erste Halbzeit“ und „Industrie 4.0“ googelt, bekommt zahlreiche Treffer geliefert.

Metaphern sollen veranschaulichen und zuspitzen – das ist dringend notwendig in der sehr abstrakten Diskussion zur digitalen Agenda (der Autor ist mitschuldig). In der Zuspitzung liegt auch deswegen ein Wert, weil sie fundamentale Denkmuster offen legt. Die „verlorene erste Halbzeit“ impliziert, dass Industrie 4.0 ein Nullsummenspiel ist: einer gewinnt, der andere verliert. Diese Nullsummen-These wird meist verbunden mit dem Blick in die USA. „Wir“ ist also die „deutsche Wirtschaft“ (Definition unbekannt), „die“ sind meist „die USA“ bzw. „amerikanische IT-Unternehmen“ oder – pars pro toto – „GAFA“ (Google, Apple, Facebook, Amazon).

Dass ein solches „Framing“ in der Politik auf Widerhall stößt, ist wenig verwunderlich – schließlich sortiert sich Industrie 4.0 so in der Politik gut eingeübte Denkmuster ein. Auch die Presse nimmt das Bild dankbar auf. Die These der verlorenen Halbzeit hat in den vergangenen Wochen also eine gewisse Karriere gemacht. Erstes „Opfer“ dieses Framings war das Industrial Internet Consortium (IIC). Dessen Executive Director Richard Soley sah sich gezwungen, gleich mehrfach nach Berlin zu reisen und gegen die Perzeption einer direkten Konkurrenzveranstaltung zur deutschen „Industrie 4.0“-Plattform anzuarbeiten.

Antwort: Eigentore!

Das Problem mit der Fußball-Metapher: sie ist in jeder Hinsicht falsch und könnte sich – so viel Kalauer muss sein – als Eigentor herausstellen.

  • Unternehmen agieren nicht entlang nationaler Denkkategorien. Die nationalen Denkschachteln widersprechen der Praxis in den Unternehmen so grundlegend, dass es schwerfällt, hierfür Verständnis auf Manager-Ebene zu finden – arbeiten internationale IT-Hersteller und -Anwender doch oft in jahrzehntealten Partnerschaften eng zusammen.  Anwendung letzterer auf die IT-Wirtschaft ist ein altes Problem der digitalen Debatte – wird aber angesichts des Engagements führender deutscher Unternehmen wie Bosch, Infineon, Siemens und SAP im IIC in der Industrie 4.0-Debatte besonders augenfällig. Sollte man diesen Unternehmen das Engagement im IIC untersagen, weil es eine „deutsche“ Industrie 4.0-Initiative gibt?
    Wohl eher das Gegenteil! Es wäre vielmehr zu überlegen, wie man weitere deutsche Unternehmen zu einem Engagement im IIC bewegen könnte. Ein Abarbeiten am IIC ist schlichtweg Zeitverschwendung.
  • Die Plattformisierung erfordert eine strategische, keine nationale Betrachtung von Industrie 4.0: Für Anwenderunternehmen stellt sich die Frage, welche Art von Plattformen ihrem Geschäftsmodell entgegen kommt. Die zentrale Frage lautet: Baue ich die Plattform selber? Oder sorge ich dafür, dass die Plattform möglichst vorteilhaft zugunsten der „Peripherie“ ausgestaltet ist? Letzteres ist dann der Fall, wenn die Plattform offen gestaltet ist. Was nützt dem IT-Anwender eine von einem „deutschen“ Unternehmen dominierte Plattform, die zu einer deutlichen Verschiebung der Margen von der Peripherie in den Kern zur Folge hätte? Nichts! Hier brauchen wir ein besseres Verständnis der Plattform-Ökonomie, kein nationales Kästchen-Denken.
  • Eine nationale Debatte verkennt die Bedeutung internationaler Märkte für deutsche Unternehmen: Wenn die „erste Halbzeit“ der Digitalisierung etwas gezeigt hat, dann dass Skalierung enorm wichtig ist. Wenn wir etwas aus dem Erfolg des IIC lernen sollten dann das: Wir müssen viel stärker international denken und frühzeitig Unternehmen aus aller Welt aktiv einbinden, wenn wir die Digitalisierung gestalten wollen. Leider stehen die Zeichen in Deutschland gerade eher auf „nationale Clubs“: So sind in der neue Industrie 4.0-Initiative des BMBF in Kooperation mit der Fraunhofer-Gesellschaft nur „deutsche“ Unternehmen eingeladen worden.

Alternativen: Strategisch über Plattformen nachdenken

Die Plattformisierung der Wirtschaft ist eine große Herausforderung für die deutsche Wirtschaft. Asymmetrische Beziehungen zwischen Plattform-Betreiber und Peripherie können deutschen Anwender-Unternehmen in Zukunft enorm unter Druck setzen. Die Antwort auf diese Herausforderung ist eine strategische Analyse von Plattformen. Das ist insbesondere für solche Unternehmen relevant, die Plattformen nicht alleine aufbauen wollen. Hier geht es darum, Technologiepartner zu finden, die den Aufbau einer offenen Plattform-Infrastruktur unterstützen können. Dies würde ein Screening der IT-Wirtschaft zur Folge haben, das tatsächlich zu strategischen Allianzen führen kann.

 

 

 

 

 

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Literatursicht Plattformisierung – Folge 1 (März 2015)

Was tut sich beim Thema Plattformisierung? Wir werden in Zukunft an dieser Stelle regelmäßig Literaturhinweise veröffentlichen – starting today!

Plattformtheorie

Plattformisierung in der Praxis

  • Accenture hat die Plattformisierung als einen von fünf Megatrends der Zukunft identifiziert und stellt Beispiele aus der Agrarwirtschaft vor.
  • Christoph Keese hat dem Thema ein Kapitel in seinem Buch „Silicon Valley“ gewidmet. Das Kapitel  beschäftigt sich vor allem mit Google (im Kontext der laufenden Auseinandersetzungen mit Keeses Arbeitgeber Axel Springer – vgl. dazu auch den Meinungsbeitrag von Springer-CEO Döpfner in der FAZ).
  • Henning Kagermann, Präsident der acatech, beschäftigt sich in seiner Rede bei der IHK Düsseldorf im Januar 2015 mit dem Zusammenhang zwischen Industrie 4.0 und Plattformmärkten (vgl. Kapitel 3).

Politische Fragen

  • Justus Haucap und Christiane Kehder stellen in einem sehr lesenswerten White Paper ordnungspolitische Perspektiven auf digitale Plattformen (vor allem bezogen auf Google, Facebook und Amazon vor).
  • David Evans und Richard Schmalensee haben bereits 2005 ein wichtiges White Paper zur Frage der Marktmacht in „Two-Sided Markets“ veröffentlicht:

Hinweise auf weitere Fundstellen – welcome!

 

Macht

Industrie 4.0: Führen Plattformen zu einer Machtkonzentration?

„Industrie 4.0“ ist ein Topthema der digitalen Agenda. Welche Aspekte von Industrie 4.0 aber sind politisch wirklich relevant? Viele Diskussionsveranstaltungen bleiben diese Antwort schuldig. Der analytische Gehalt vieler dieser Veranstaltungen lässt sich auf drei Punkte reduzieren:

  • Irgendwie digitalisiert sich die Wirtschaft. Sensoren scheinen eine Rolle zu spielen. Wir nennen es „Industrie 4.0“
  • Sieht so aus, als ob deutsche Unternehmen nicht im „Lead“ sind. Große ausländische IT-Unternehmen wirken bedrohlich.
  • Wir müssen irgendetwas tun. Vielleicht sollten wir mehr in Forschung investieren. Standards und Normen könnten ein weiterer Ansatzpunkt sein.

Besonderer Fokus liegt auf der Frage der Marktmacht. Die Debatte zu Industrie 4.0 hat sich in den vergangenen Monaten merklich gewandelt: zunehmend wird die Frage der Abhängigkeit von großen (vornehmlich amerikanischen) IT-Unternehmen. Beispielhaft hierfür ist der FAZ-Artikel von Wirtschaftsminister Gabriel, das Interview von Siemens-Chef Joe Kaeser im Spiegel oder die Thesen von Deutsche Telekom-CEO Timotheus Höttges. Die Rhetorik ist dabei zunehmend von einer „Nullsummen-Logik“ geprägt: Es gibt einen Gewinner und viele Verlierer.

Stimmt das wirklich? Führt die Plattformisierung tatsächlich zu einer Konzentration von Marktmacht?  Diese Präsentation, die für ein Hintergrundgespräch im Bundestag erstellt wurde, nähert sich der Marktmacht-Hypothese auf Grundlage der Plattformisierungshypothese. Deutlich wird: Das Bild ist deutlich komplexer. Plattformen können Marktmacht im Plattform-Kern konzentrieren – oder aber in der Peripherie verteilen. Beispiele hierfür gibt es genügend.