Literatursicht – Folge 10 (Mai 2016)

Politik

  • EU-Kommissionsstellungnahme: Die EU-Kommission plant die Veröffentlichung ihrer Empfehlungen zur „Sharing Economy“ für Anfang Juni. Derweil wurde ein Entwurf bereits geleakt. Im Vergleich zum Fragenkatalog der Konsultation sind die Empfehlungen erstaunlich zurückhaltend ausgefallen. Der lesenswerte Entwurf konzentriert sich auf vier Themenfelder: Marktzugang, Arbeitsmarkt, Verbraucherschutz und Haftung sowie Steuern.
  • Reaktionen – Widerspruch au Frankreich: Dies führte unmittelbar zu Widerspruch aus Frankreich: In einer Politico Pro vorliegenden Stellungnahme wird vor allem auf eine Definition von „essential platforms“ gedrungen, die besonderer Regulierung unterliegen sollen. Auf diese Stellungnahme antwortete wiederum Axelle Lemaire, französischer Digitalisierungsministerin, mit einem Statement, das als Kritik am essential platform-Ansatz verstanden werden kann.

Literatursicht – Folge 9 (April 2016)

Politik

  • Am 13. April findet im Ausschuss digitale Agenda des Bundestages ein Fachgespräch zum Thema „Kartellrecht und digitale Plattformen“ statt. Ansgar Baums wird die Schlussfolgerungen aus der Arbeit zum Kompendium Industrie 4.0 vorstellen. Der Fragenkatalog findet sich hier. Weitere Teilnehmer: Justus Haucap (Universität Düsseldorf), Andreas Mundt (Präsident des Bundeskartellamtes), Michael Menz (Zalando), Miika Blinn (VZBV). Das Fachgespräch wird auf www.bundestag.de live übertragen.
  • Mehrere EU-Mitgliedsstaaten haben am 4. April auf die EU-Konsultation mit einem offenen Brief an Vizepräsident Ansip geantwortet. Der Brief kritisiert die negative Haltung der Konsultation gegenüber Plattformen und mahnt eine besonnene Regulierungspolitik an. Damit zeichnet sich innerhalb der EU die Herausbildung zweier Ländergruppen an – Deutschland scheint dabei eine Führungsrolle im „Plattform-kritischen“ Lager einzunehmen.

Wirtschaft

  • Bemerkenswert – und beunruhigend: Laut BITKOM haben 60% deutscher Top-Manager keine Vorstellung von der Rolle digitaler Plattformen. Befragt wurden Geschäftsführer und Aufsichtsratsmitglieder von 507 Unternehmen.
  • Drei Top-Experten – Geoffrey Parker, Marshall van Alstyne, und Kompendiums-Autor Sangeet Choudhary – haben ein neues Buch zum Thema Plattformen veröffentlicht: Platform Revolution. Highly recommended!
  • Juan Pablo Vazquez Sampere beschreibt in einem Artikel den Innovationscharakter digitaler Plattformen. Allerdings lässt der Artikel eine klare Definition digitaler Plattformen missen…

Literatursicht – Folge 8 (Januar 2016)

Plattformmärkte: Strategien

Politik

Veranstaltungen

  • Die Friedrich-Ebert-Stiftung veranstaltet am 18. Februar von 13:00 bis 18:00 ein Fachgespräch zum Thema „Sharing Economy und Plattform-Ökonomie“.  U.a. wird Ansgar Baums dort das Kompendium Industrie 4.o vorstellen. Anmeldung per eMail hier.

Literatursicht – Folge 7 (Dezember 2015)

Analyse

  • Holger Schmidt hat eine Umfrage von IBM unter CEO’s lesenswert zusammengefasst und hier insbesondere die Bedeutung digitaler Plattformen herausgearbeitet. Eine der drei Kernbotschaften der IBM-Studie lautet „Prepare for digital invaders“…
  • CapturenSangeet Paul Choudary hat ein neues „Platform Manifesto“ vorgelegt, in dem er eine Art Plattform-Schlachtplan für CEOs formuliert – lesenswert!
  • Der „Economist“ beschäftigt sich mit der Frage, ob Clayton Christensen’s „Innovator’s Dilemma“ universelle Gültigkeit hat.

Politik  – Wettbewerbsrecht

  • Die Bundestagsfraktion der Grünen hat am 10.11.2015 einen Beschluss zum Thema Wettbewerbspolitik angenommen, der sich direkt auf die Plattformfrage bezieht. Zitat S. 8: „Eine relativ neue Entwicklung sind digitale Plattformen. Die Wettbewerbspolitik muss sich auf Plattformmärkte neu ausrichten. Die Wettbewerbswirkung ist nicht eindeutig. Da der Mehrwert der Plattform direkt mit der Anzahl der NutzerInnen steigt (Netzwerkeffekt), konzentriert sich Marktmacht auf wenige oder im extremsten Fall auf eine Plattform. Andererseits herrscht auf der Plattform ein intensiver Wettbewerb zwischen den Unternehmen, die ihre Produkte und Dienstleistungen dort anbieten. Aus Wettbewerbssicht besonders problematisch ist es, wenn der Plattformbetreiber selber auch Anbieter auf der Plattform ist, wie zum Beispiel im Fall von Amazon.“
    Im Anschluss an diese Analyse werden verschärfte wettbewerbsrechtliche Regulierungsansätze vorgeschlagen, unter anderem „Datenmacht“ als Aufgreifkriterium sowie missbrauchsunabhängige Entflechtungsmöglichkeiten.
  • Ein Blick ins Ausland: Im britischen Parlament fand eine Anhörung zum Thema Plattformen mit EU-Vizepräsident Ansip statt.

 

 

 

 

Kompendium Industrie 4.0 im „Economist“

Das Kompendium Industrie 4.0 wird ausführlich im „Economist“ zitiert. Der Artikel bezieht sich unter anderem auf die Beiträge von Clemens Westerkamp, Gabriel Seiberth, Paul Choudary und Henning Kagermann.

 

Literatursicht – Folge 6 (Oktober 2015)

Analyse

  • Robin Chase hat unter dem programatischen Titel „Everything That Can Become a Platform Will Become a Platform“ eine interessante Analyse zur Plattformisierung der Wirtschaft vorgelegt. Zum ökonomischen Treiber der Plattformisierung: „The potential for this new organizational structure (…)  is simply too compelling to deny: exponential scaling, exponential learning, and very low cost innovation and localization.“ Chase geht dabei insbesondere auf die Auswirkungen im Arbeitsmarkt und der Sozialversicherungssysteme ein – Zitat: „We need to create new social mechanisms to spread out the gains of the new platform economics — perhaps even a Basic Income allotted to every person, in addition to the Flexicurity principles. Without this, the social consequences could be dire, bad enough to upset the entire applecart in time. “ – Lesenswert!

Wettbewerbsrecht & Ordnungspolitik

  • Alex Chisholm, CEO der britischen Competition and Markets Authority CMA, hat auf der BNetzA-Konferenz einen hochinteressanten Vortrag zur Plattform-Regulierung gehalten. Chisholm warnt insbesondere vor einem „One Size Fits All“-Ansatz und vor der Vorstellung, man solle Plattformen ex ante regulieren. Eine Kurzzusammenfassung findet sich hier.
  • Ein Meinungsartikel „Plädoyer für eine bessere Ordnungspolitik“ von Ansgar Baums zum Thema Industrie 4.0 | Plattformisierung und wirtschaftspolitische Paradigmen ist in der aktuellen CIVIS mit Sonde erschienen.

Haftung

  • Im Kontext der aktuellen Diskussion zu Hasskommentaren auf sozialen Plattformen haben Bundesjustizminister Heiko Maas und Niko Härting Pro- und Contra-Beiträge in der Zeitschrift für Rechtspolitik veröffentlicht (Paywall). Dass die Haftung für Plattform-Betreiber immer weiter gefasst wird, zeigt der aktuelle Fall von Strafanzeigen gegen Facebook-Manager.

Industry 4.0: We don’t need a new industrial policy but a better regulatory framework

Apocalypse Now: Industry 4.0 and the End of the German Economy

Good economic policy rests on a clear idea of what the state and business should do or leave to others. This clear division is missing in Industry 4.0. During a recent conference in Berlin, an industry leader quipped “Industry 4.0 is the first industrial transformation to be enacted by the state”. Surprisingly, the audience’s reaction was rather thoughtful nodding than giggling. If frequency of meetings and speeches who raise the topic Industry 4.0 is any indicator, one should assume that governments indeed play a key role in digital transformation. No wonder more and more managers have a slightly uneasy feeling.

So what is the fuss all about? The key to understanding Industry 4.0 is the development of digital platforms. Platforms establish “two-sided markets”, in which platform owner, a provider who adds services on top of the platform, and customer interact. Nothing new in that – Jean Tirole won last year’s Nobel economics prize for his analysis of this triangular relationship. Digitization has certainly injected a wholly new dynamism into platformization. Amazon and Ebay have turned shopping into a platform experience, Uber is doing the same with the taxi market, Airbnb in the hotels business. German carmakers are buying “Here” in order to guarantee access to ultra-precise geo-data which will be a core technology of future mobility platforms. Elsevier is changing from a publishing house into a knowledge platform, integrating the contents of other publishers – the list goes on endlessly.

Digital platforms are more than just facilitators: they determine the rules of the game in the market and alter value added structures. At this point everything gets political – and often broad-brush: Will German SMEs turn into slaves of a digital platform they can no longer control? Will we see the rise of unassailable digital monopolies, immune to competition due to strong network effects? Will value creation for the most part quit Germany because of the platformization process? This horror scenario is increasingly tied to a demand for an “active government.” The argument is not hard to guess: The bleaker the vision of Industry 4.0, the easier to justify state interventionism. So, do we need a new competition policy to trim the power of platforms? Is any ex-ante regulation of platforms justified? Should governments actively promote the development of national digital platforms?

Just about as black is the image of “platform capitalism”. For Sascha Lobo and Byung-Chul Han digital platforms are the main drivers of a “hyper-capitalist” world. The produces a surprising alliance between leftist-orientated critics of platform capitalism and those – up to now – economically liberal-minded politicians favouring support for the industrial base. What unites them is a fear of the structural changes digital platforms trigger.

Towards a Better Understanding of Digital Platforms

The core problem is this: Both points of view are based on a rather simplistic definition of digital platforms, which ultimately leads to false conclusions. “Platformization” indeed is a mega-trend. Nevertheless, it is also a process leading to very diverse outcomes. We therefore urgently need a more nuanced understanding of platforms. This holds true above all for the architectural principles of digital platforms: while some concentrate decision-making power and value-creation at the core of a platform – that is, with their operators -, there are many other platforms doing the opposite: they push power and value-creation to the platform’s periphery. In many markets, such different types of platforms compete directly with each other. A good example are PC operating systems – one of the oldest digital and most versatile platforms: Whereas Apple OS X is a very closed system (inter alia it can only be used on Apple hardware), Linux represents the exact opposite: it offers almost limitless opportunities for inter-connectedness and leaves all options to the app-developer as well as the end-user.

Platformization does not lead automatically to monopolies, either. A historical analysis platformization processes shows a remarkable consistency: many markets are structured by three to five platforms, featuring a rather even distribution of market shares. Competing platforms emerge rapidly when market players view existing platforms as too restrictive. The best example of this is the success of Android as an alternative to Apple’s closed iOS operating system for mobile phones. Android isn’t open enough for you? Well, Cyanogen is setting itself up as an Android offshoot that presents platform operator Google with fewer and fewer opportunities for encroachment.

Another misunderstanding: Platformization is not always a disruptive process. Sure, there are disruptive platforms such as Uber that are attracting lots of public attention. In many cases, though, platformization is an evolutionary process. Interestingly, hardware plays a key role in some markets. Digital platforms in agriculture are dominated by large equipment manufacturers like Claas or John Deere. Newcomers find it tough to enter the market due to the importance of very expensive hardware. In Marc Andreessen’s words: Software might eat the world – but some chunks of hardware are definitely not easy to digest.

And finally: Platforms are not unassailable. The horror scenario of a platform that due to network effects can no longer be challenged is probably a very unlikely scenario. The main reason: innovation! We tend to under-estimate the power and tempo of digital innovation. Remember the “Browser War”? In the late 1990s it was taken for granted that the internet browser was a key technology, prone to be a tool for market exclusion strategies. Legal action was taken against Microsoft’s attempt to bundle its Internet Explorer browser with the Windows operating system (vertical integration). As we know today, digital innovation did not stop with the Internet browser technology – the latter becoming less and less important due to the rise of the mobile internet. Today, 35m Germans connect to the Internet via their smartphone. Many of them do so with apps, bypassing any browser. A technology that loomed large as the “commanding heights” of the digital economy seems to be completely harmless just 15 years later – there might be a lesson here.

Policy Conclusions

Such a rather nuanced interpretation of platforms leads to very different policy conclusions than the apocalyptic vision of a world dominated by few platform monopolies. First and foremost, it would be foolish if governments would actively engage in platform building. Platform management is a highly complex task that requires a deep understanding of markets, which bureaucracies lack Arguing for government-sponsored national platforms is equally misguided. For a German SME it is irrelevant where the headquarter of a platform operator is located. It might matter much more whether a platform guarentees market access and a fair share of revenue for those who are operating in the periphery of a platform.

Rather than engaging in national platforms, we should encourage German companies to get involved in international organizations. Policy-makers should focus instead on drawing up the best parameters for digital platforms to be set up in Germany. Here there’s a crying need for action: Court judgments have severely cut back liability privileges for platform operators in recent years. The more platforms are subjected to regulatory recourse the less and less attractive Germany as a place for platforms becomes – and all the harder it is for start-ups to build new platforms.

We should also be careful with regard to reforming competition law rashly. Firstly, Digital platforms are not comparable to broadband infrastructures, and should therefore be treated differently. Such a demand, euphemistically described as “platform neutrality”, fails to recognize that platforms are not infrastructures but rapidly evolving business models. Plans to regulate platforms ex ante are the wrong way to go. Secondly, demands to measure market power on soft criteria such as “data power” would lead to a highly intransparent market environment and finally fewer investments in potentially fast-growing platforms. Rather, an evidence-based ex-post regulatory policy focusing on abuse of market power is the right approach.

This leads to a rather nuanced message: Yes, Industry 4.0 and the platformization is a major trend, of huge importance to management and it might even be disruptive in some markets. But there seems to be little evidence to support the call for a major overhaul of our economic policy strategy. Setting the regulatory framework right and adapting it to the needs of a platform economy is a much more promising strategy than an “industrial platform policy” approach. Economic principles laid out in Germany’s post-war era might be more relevant today than ever.

Termine: Vorstellung des Kompendiums Industrie 4.0 (Updates)

Offene Veranstaltungen

Geschlossene Veranstaltungen

  • 07.07.2015 | Berlin: Think Tank Industrie 4.0 | Management-Circle
  • 08.09.2015 | Berlin: ConPolicy Think Tank Verbraucherpolitik
  • 01.10.2015 | Berlin: SPD-Wirtschaftsforum
  • 16.10.2015 | Berlin: FDP-Bundesfachausschuss Medien, Internet und digitale Agenda
  • 03.11.2015 | Berlin: BITKOM Roundtable Platform Economy
  • 03.11.2015 | Berlin:  Atlantikbrücke Steering Committee AG Digitalisierung
  • 06.11.2015 | Brüssel: European Commission | Joint Research Center
  • 07.12.2015 | Berlin: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
  • 18.02. 2016 | Berlin: Fachgespräch der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • 26.04.2016 | Berlin: DIHK-Konferenz Digitale Zukunft@Mittelstand
  • 01.07.2016 | Berlin: OSE Summer Talk

Download des Kompendiums Industrie 4.0

Das Kompendium Industrie 4.0 in nun als PDF-Download verfügbar!

Präsentation für das SPD Wirtschaftsforum zu Plattformmärkten

In der ersten Sitzung der Arbeitsgruppe Digitales des SPD Wirtschaftsforum habe ich einige Ergebnisse des Kompendiums Industrie 4.0 vorgestellt. Die Präsentation fokussiert zunächst auf die empirischen Befunde bezüglich der Plattformisierung von Marktstrukturen. Teil 2 adressiert zwei wichtige politische Kontexte: Marktmacht in Plattformmärkten sowie die Frage der Plattformregulierung.

Plattformmaerkte Okt 2015 – Ansgar Baums